Donnerstag, 8. Dezember 2011

Der Sueden Perus

Hallo liebes Lesevolk!

Bei den meisten von euch ist es nun schon kalt und frueh dunkel, weshalb ihr sicher viel Zeit verbracht habt auf unseren neuen Blogeintrag zu warten. Aber ihr muesst wissen, bei uns ist es jetzt so heiss, dass alles ein bisschen laenger dauert ;-).

Da wir der oesterreichischen Botschaft einen wichtigen Besuch abstatten mussten, war unser naechster Halt Lima, die Hauptstadt Perus. Obwohl uns generell Grossstaedte nicht gerade anziehen, hatte Lima seine Reize. Im netten, sicheren Stadtteil Miraflores haben wir unser Nachtquartier gefunden. Nachdem wir nicht viel Zeit in Lima vergeuden wollten, beschlossen wir die faule Touri-Variante, naemlich eine Stadtrundfahrt auf offenem Deck eines Sightseeing-Busses, zu waehlen. So lernten wir die Altstadt mit ihren schoenen Kolonialbauten und belebten Plaetzen kennen. 

Parque central in Miraflores
Miraflores
Weihnachtsstimmung Anfang November in Lima
Auf dem Touri-Bus ;)
Plaza de Armas
Nach nur 2 Tagen Grossstadt-Feeling entschieden wir uns aufgrund der guenstigeren Busverbindung weiter in den Suedosten nach Arequipa, la ciudad blanca, zu fahren. Dort verweilten wir fuer ein paar Tage, spazierten durch die gepflegten, lieblichen Gaesslein und freuten uns mal freundliche Dachterrassen und Innenhoefe anstelle der ueblichen dunklen, fensterlosen "Comedores" aufzufinden. Dies verleitete uns zum uebermassigen Verzehr von Genussmitteln an jeder einladenden Ecke.

Plaza de Armas
"Hola"-sagender Papagei mit Vulkan Misti im Hintergrund
Arequipa bei Nacht von unserer Dachterrasse aus
Aufgrund der blendenden Plakate und der ueberzeugenden Beschreibungen zog es uns in den nahegelegenen Colca Cañon. Wir dachten es waere eine gute Idee, dies auf eigene Faust zu erleben und quaelten uns um 2.30 Uhr morgens aus unseren warmen, kuschligen, mal nicht durchhaengenden Bettchen. Doch dort angekommen, mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass wir mitten in der Touristenhochburg gelandet waren. Ein Blick zueinander gegnuegte und wir waren uns wortlos einig, dass wir schleunigst wieder das Weite suchen und umkehren mussten. Die paar Stunden bis zur Abfahrt des Busses vertroedelten wir in dem wir den Cañon abseits der ausgetretenen Pfade von oben bewunderten.


Da man auf zwei so ueberaus liebenswerte Geschoepfe wie wir es sind ;) nicht lange verzichten kann, suchte uns unser schweizer Compañero in Arequipa in den fruehen Morgenstunden wieder auf und verwoehnte uns am Abend mit einem koestlichen Zuercher Gschnetzelten mit Roesti, damit wir ja wissen, was wir an ihm haben, haha.


Wir ueberzeugten ihn davon, dass es genuegt den Cañon auf Fotos zu betrachten und so ging es am uebernaechsten Tag gemeinsam nach Cusco. Wir bereuten schnell einmal die billigste Variante gewaehlt zu haben und mussten bei gefuehlten 36 Grad im stickigen Bus ueber 12 Stunden koecheln bis wir endlich am Ziel anlangten.


Fahrt von Arequipa nach Cusco
Am ersten Tag erkundigten wir uns wieder einmal ueber die Moeglichkeiten, die die Umgebung so zu bieten hatte und machten einen Stadtrundgang.


Plaza de Armas

Nachdem einerseits der Schock vom Colca Cañon noch so tief sass und man andererseits unsere Studentenausweise fuer verbilligte Eintrittskarten nicht anerkannten, nahm das Schicksal seinen Lauf und Machu Picchu wurde kurzerhand von der Liste gestrichen - das soll uns mal wer nachmachen, haha! Das Ausweichprogramm liess jedoch keine Wuensche uebrig und war bestimmt mindestens so sehenswert und tausendmal ruhiger als Machu Picchu. Dazu gehoerten:

  • Pisaq, wo sich die riesige Inkafestung Intihuatana auf einem felsigen Bergplateau befindet, 
 
Markt im Oertchen Pisaq
  • Tambomachay (Bad des Inka) und 

  • Pukapukara (rote Festung), 

  • Sacsayhuaman (Inkaruinen mit ueberdimensionalen, exakt aufeinander abgestimmten Steinbloecken, welche mit seinen zickzack-foermig angelegten Mauern an die Zaehne eines Puma erinnern sollen)





Unsere jedoch schoenste Tour im Umkreis von Cusco war bei weitem die nach Choquequirao, welche 4 Tage dauerte. Mit Sack und Pack auf den Schultern wanderten wir gemeinsam mit "Packesel" Elia zuerst 1600 Hoehenmeter hinab bis zum Río Apurímac und dann wieder die andere Talseite hinauf nach Santa Rosa, wo wir unsere Zelte aufschlugen und unser auf dem Kocher zubereitetes Abendessen unter freiem Sternenhimmel genossen. Am naechsten Tag erreichten wir die weitlaeufigen und ueberwaeltigenden Inkaruinen, welche auf dem Bergruecken auf ueber 3000 m trohnen.

Kleine Staerkung am Weg zum Fluss

Unser Zelt hatte in dieser Nacht die Bewaehrungsprobe bestanden, starker Regen prasselte stundenlang auf dieses und es hielt. Um nicht den selben Rueckweg zu beschreiten, waehlten wir einen Abstieg auf der anderen Seite des Canyons hinunter zum Fluss und wieder hinauf nach San Ignacio. Wir dachten es genuege sich den Weg bzw. die ungefaehre Richtung von oben aus einzupraegen und diesen auch ohne Karte finden zu koennen. San Ignacio war wie ein verlassenes Paradies: Baeume mit tropischen Fruechten (Avocado, Papaya, Mango) und bunten Blueten so weit das Auge reicht.


Nachdem das aus 4 Haeuschen bestehende Oertchen an kein Strassennetz angebunden ist, wanderten wir weiter bergauf ins naechste Tal nach Tambobamba, von dem wir von Arbeitern, die wir am Weg trafen, wussten, dass es existiert und man dorthin geschaetzte 4 Stunden benoetigte. Nach 3,5 Stunden wurden wir jedoch ploetzlich mit einer Weggabelung nach der anderen konfrontiert. Wir waehlten zuerst den breitesten Weg, welcher uns jedoch nach einigen Minuten ins undurchdringliche Gestruepp fuehrte. Also alles wieder retour. Beim dritten Versuch erwischten wir schlussendlich den richtigen Weg, der aufgrund der recht frischen Eselkacke darauf schliessen liess, dass er vor kurzem begangen wurde und uns daher Hoffnung schenkte zurueck in die Zivilisation zu gelangen. Und falls nicht, hatten wir die Sicherheit, mit Zelt und einer Tagesration noch laenger auszukommen. Und tatsaechlich erblickten wir das erste Haeuschen nach einem weiteren Fussmarsch und erfuhren, dass es sich um Tambobamba handelt. Also wer braucht schon einen Plan oder eine Wanderkarte! hahahaha

Doch die naechste Herausforderung wartete schon auf uns: wie sollten wir nach Cusco kommen? Nach etlichen Ueberredungskuensten und Bettelversuchen bei diversen Haeusern und Bauernhoefen gelang es uns einen fahrbaren Untersatz zu finden, welcher uns ins naechste groessere Doerfchen Huanicapa bringen konnte.


Dort mussten wir bis nach Sonnenuntergang am Strassenrand auf ein Sammeltaxi hoffen. Schliesslich erklaerte sich dann doch noch jemand bereit uns und 4 weitere Wartende zu so spaeter Stunde nach Abancay zu kutschieren. Die mehrstuendige Horrorfahrt unseres Lebens begann. Eingepfercht in einem klapprigen, komplett beladenen PKW Kombi kurvten wir auf einer extrem schmalen Steinstrasse entlang der Bergklippen, welche am hoechsten Punkt ca. 5000m erreichen musste. Aber dem nicht genug... je hoeher wir kamen, desto dichter wurde der Nebel und stroemender Regen liess nicht lange auf sich warten. Nur gut, dass unser Scheibewischer nicht funktionierte und wir alle 10 Minuten einen Stopp eingelegen mussten, um die Scheibe haendisch abzuwischen - was enorm viel brachte ;-). Mit absolut Null-Sicht, Stossgebete in den Himmel schickend und uns gegenseitig umklammernd, in der rechten Hand der Tuergriff um notfalls aus dem Auto zu springen, falls dieses tausende Meter die Klippe hinunterstuerzen sollte, ging es Richtung Abancay. Als wir uebergluecklich dort ankamen, erfuhren wir, dass der letzte Bus nach Cusco 10 Minuten zuvor abgefahren war. Es blieb uns also nichts anderes uebrig, als den Bus am naechsten Morgen zu nehmen.

Um das suendhaft teures Kombi-Ticket von Cuscos Sehenswuerdigkeiten auszunuetzen, besuchten wir am darauffolgenden Tag die amphitheateraehnliche, archaeologische Inkastaette Moray. Die kreisfoermigen Terrassen duerften fuer Agrikultur-Experimente genutzt worden sein.


Da wir immer nach der guenstigsten Variante Ausschau halten, um an diverse Destinationen zu gelangen, fragten wir eine 4-koepfige durchgeknallte Gruppe filmreifer Amis, ob sie uns mit ihrem geliehenen PKW mit nach Maras nehmen koennen. Nur eines hinderte uns an der Abfahrt: der Schluessel befand sich im geschlossenen Auto. Nachdem es Brad nicht schaffte mit einem Bambusstecken die Fahrertuer aufzubrechen (sehr verwunderlich!), eilte uns ein Einheimischer, der sich als Automechaniker entpuppte, zu Hilfe. Er inspizierte das Fahrzeug und stellte fest, dass die Moeglichkeit bestand durch Rausloesen des kleinen, hinteren Eckfensters von innen die Hintertuere zu oeffnen, was auch gelang. Nach diesen Startschwierigkeiten ging es ohne weitere groeberen Probleme nach Maras, terrassenartig angelegten Salzpfannen, die schon seit Inkazeiten in Verwendung sind.


Mit amerikanischen Musikklassikern und im Winde wehendem Haar ging es mit den Burschen weiter nach Chinchero zum Sonntagsmarkt, wo sie sich mit unnuetzen Staubfaengern eindeckten.


Fuer den Rueckweg nach Cusco gab es dann noch ein Bierchen fuer uns alle, was unsere Fahrt perfekt machte.


Der naechste Halt auf unserer Route war Puno am Titicacasee.

Fahrradtaxi - fuer das Gewicht was er zu transportieren hat, sieht er noch recht froehlich aus... haha
Von dort aus machten wir uns gleich am ersten Vormittag selbststaendig zu zweit auf den Weg nach Capachica. Ziel war die einsame, kleine Isla Ticonata, die wir mit einem privaten Boetchen erreichten.

Isla Ticonata vom Festland aus

Nach kurzer Suche machten wir gluecklicherweise den einzigen Bewohner dieser Insel ausfindig, welcher dort eine "Hospedaje" betreibt. Waehrend der Besitzer auf dem Festland die Zutaten fuer unser Abendessen besorgte, erkundeten wir das ein paar quadratkilometergrossen Huegelchen im Titicacasee.

Unser Huesle

Das Abendessen wurde von einer der Toechter der 11-koepfigen Familie, welche jedoch am Festland wohnen, lieblich zubereitet. Kurz darauf stiess auch seine Frau zu uns und wir ueberreichten unsere mitgebrachte Panetone. Wir unterhielten uns bis nach Einbruch der Dunkelheit ueber Kultur und Traditionen unserer beiden Heimatlaender, bis wir uns muede und zufrieden in unser rundes, stromloses Lehmhaeuschen zurueckzogen.

Mal bunt in traditioneller peruanischer Kleidung
Vom Fruehstueck gestaerkt brachte uns der Herr des Hauses mit seinem kleinen Boot zur groesseren und besiedelten Nachbarinsel Amantani. Eine kurze Besichtigung und ein gemuetlicher Spaziergang reichten aus um die Insel kennenzulernen, bevor man uns in ein unbekanntes Doerfchen am Festland schipperte. Die angenehm warmen Temperaturen und der kristallklare Titicacasee verleiteten uns zu einem Sprung ins kuehle Nass.

Caramelos fuer die Kleinen
Isla Amantani

Es war ein weiter Fussmarsch noetig um vom Dorfzentrum mittels Mototaxi zurueck nach Capachica und weiter nach Puno zu gelangen. Noch am selben Tag machten wir uns - wieder einmal - auf etwas umstaendliche Weise (da wir den letzten Bus - wieder einmal - verpasst hatten) auf den Weg ueber die peruanisch-bolivianische Grenze nach Copacabana. 10 Minuten bevor die Grenze schloss erreichten wir nach ueber 5 Wochen Peru bolivianischen Boden.


Alle brandheissen News aus unserem naechsten Land folgen in Kuerze...
Bussis
Eva und Tati

3 Kommentare:

  1. Hola Chicas
    Toll! Aber sagt mal hatten die Caramelo Kinder eine Krankheit ;-) Weiter hin viel spass und ich bin gespannt auf den Jungel Blog, wann kommt den der :-P
    Saludos

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  2. Siehst ja wie gefaehrlich und maechtig die wirken... da muss man schon aufpassen ;) Und stress nicht, du weisst ja wie gut die Internetverbindungen hier sind. Schau erst mal selber, dass du deinen auf den neusten Stand bringst, Alter :P

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  3. claro... genau, wäre die internetverbindung schneller hier, wäre ich schon fertig mit dem antarktis blog ;-) und jemanden zu finden wer mein blog korrigieren kann ist auch voll schwer :-) Ich vermiss das Altä ehepaar schon!
    hasta luego

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